Unvollständige Milchejektion durch zu langsames Melken

Als Ursache eines zu langsamen und somit unvollständigen Melkens stellen sich immer wieder vermeidbare Mängel der Melktechnik und -routine heraus. Zu nennen sind hier neben unzureichender Vorstimulation schief hängende Melkzeuge, ebenso wie Pulsatormängel und Zitzengummis falscher Größe oder schlechter Qualität. Ein weiterer verbreiteter und unnötiger Grund liegt in sogenannten „milchflussabhängigen Vakuumverlusten“, also dem mit zunehmendem Milchfluss überproportional starken Abfall des Vakuums in den Zitzengummis.

Sinkt dieses sogenannte Zitzenvakuum während der Saugphasen auf deutlich unter 38 kPa, hat das bei Kühen mit normaler Melkbarkeit zur Folge, dass die Melkgeschwindigkeit stark abnimmt und das Erreichen der biologisch möglichen Milchflussraten verhindert wird. Das somit langsame Melken bewirkt wiederum wegen der ja begrenzten Oxytocinwirkdauer eine unvollständige Milchejektion, also eine unvollständige Entleerung des Milchbildungsgewebes. Zu erkennen ist diese oft daran, dass die Euter nach dem Melken nicht (vollständig) einfallen und dass die Kühe im Stall "Milch laufen lassen".

Erschwerend kommt hinzu, dass bei nachlassendem Milchfluss das üblicherweise auf 44 bzw. knapp 50 kPa erhöhte Anlagenvakuum (klassische Melkstände bzw. Swing-Over-Anlagen oder Anbindeställe) nahezu unvermindert auf die Euter einwirkt. Dadurch wird nicht nur das Zitzengewebe geschädigt, sondern auch die Menge der Nachgemelke erhöht. Ein „Ausgleich der Vakuumverluste“ durch Erhöhung des Anlagenvakuums ist somit nicht möglich!

Wenn Sie sich also über zu große Nachgemelke ärgern oder bemerken, dass das Milchbildungsgewebe Ihrer Kühe nicht vollständig leer wird, sollten Sie Ihre Melktechnik einmal von herstellerunabhängigen Fachleuten untersuchen lassen. Und zwar nicht nur nach Melkanlagennorm, sondern insbesondere auch während des Melkens.

(C) Dr. Dirk Hömberg, D-48167 Münster, alle Rechte vorbehalten

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