Leistungsverlust auch auf lange Sicht

Unabhängig davon, wo Restmilch im Euter verbleibt, wirkt sie sich negativ auf die Milchbildungszellen aus. Grund hierfür ist entgegen landläufiger Meinung nicht ein zu hoher Euterdruck. Vielmehr liegt das Problem darin, dass mit der Restmilch ein sogenannter „Alveoleninhibitor“ im Euter verbleibt. Diese chemische Substanz hemmt zum einen unmittelbar die Neubildung von Milch. Zum anderen bewirkt sie eine vorzeitige und verstärkte Rückbildung des Milchbildungsgewebes, und zwar besonders bei Kühen mit hohem Leistungspotential („Die besten leiden am meisten“).

Das wurde schon in den 1980er Jahren in mehrjährigen Großstudien nachgewiesen. Diese zeigten, dass bei unterlassenem Nachmelken der Ertragsverlust der nicht nachgemolkenen Euterhälften bereits während der ersten Laktationsperiode die Nachgemelkmengen der Kontrolleuterhälften überstieg. Zudem wurde festgestellt, dass die nicht nachgemolkenen Euterhälften vorzeitig kleiner und leichter wurden. Im Mittel von vier Laktationen führte der Verzicht auf das Nachmelken zu statistisch signifikanten Leistungseinbußen von 10 %. Dabei stiegen die Leistungsverluste nicht nur innerhalb der einzelnen Laktationsperioden, sondern auch von Jahr zu Jahr. In weiteren Versuchen wurden bei unvollständigem Ausmelken sogar Leistungsverluste von bis zu 15 % ermittelt.

Obwohl diese Ergebnisse heutzutage teilweise als veraltet abgetan werden, sind sie noch immer aktuell und relevant. Das belegen mehrere Erhebungen jüngeren Datums. Auch dabei zeigten sich als Folge unvollständigen Ausmelkens eine geringere Milchsekretion und Persistenz. Im Umkehrschluss steigert das vollständige und häufige Entfernen von Milch und Alveoleninhibitor die Milchsekretion und das Durchhaltevermögen. Dies zeigt sich u.a., wenn man nicht nur alle 12, sondern 8 Stunden melkt. (Mehr erfahren Sie hier.)

(C) Dr. Dirk Hömberg, D-48167 Münster, alle Rechte vorbehalten

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